Klinik für Neurochirurgie

Gefäß- und Nervenerkrankungen von Gehirn und Rückenmark

Spezialisierte Behandlung in der vaskulären und funktionellen Neurochirurgie

Erkrankungen der Blutgefäße und Nerven im Bereich von Gehirn und Rückenmark gehören zu den spezialisierten Behandlungsfeldern der Neurochirurgie. In unserer Klinik behandeln wir Gefäßerkrankungen des zentralen Nervensystems sowie sogenannte Gefäß-Nerven-Konflikte. Unser Behandlungsspektrum umfasst die genaue Diagnostik, die individuelle Therapieplanung sowie operative und interventionelle Verfahren. Dabei arbeiten wir eng mit der Neuroradiologie und weiteren Fachbereichen zusammen.

Zu den Gefäßerkrankungen zählen unter anderem Aneurysmen, arterio-venöse Malformationen (AVM), Dura-arteriovenöse Fisteln und Kavernome. Diese Veränderungen können das Risiko einer Hirn- oder Rückenmarksblutung erhöhen oder neurologische Beschwerden verursachen. Bei Gefäß-Nerven-Konflikten führt der Kontakt zwischen einem Blutgefäß und einem Hirnnerven zu einer Funktionsstörung des Nervs. Hierzu gehören insbesondere die Trigeminusneuralgie und der Hemispasmus facialis. 

Symptome von Gefäß- und Nervenerkrankungen

Die Beschwerden bei Gefäß- und nervenbedingten Erkrankungen hängen von der Art, Größe und Lage der Veränderung ab. Mögliche Symptome sind:

  • Plötzlich auftretende Lähmungen oder Gefühlsstörungen
  • Sprach- oder Sehstörungen
  • Bewusstseinsverlust
  • Starke, ungewohnte Kopfschmerzen als mögliches Zeichen einer Hirnblutung
  • Epileptische Anfälle
  • Schwindel oder neurologische Ausfälle
  • Unwillkürliche Gesichtszuckungen beim Hemispasmus facialis
  • Blitzartig einschießende Gesichtsschmerzen bei Trigeminusneuralgie

Bei plötzlich auftretenden neurologischen Ausfällen oder einem Verdacht auf eine Hirnblutung ist eine sofortige notfallmedizinische Abklärung erforderlich.

Diagnostik von Gefäß- und Nervenerkrankungen

Eine genaue Diagnostik ist entscheidend, um die geeignete Behandlung festzulegen. Hierfür stehen moderne bildgebende und neurologische Untersuchungsverfahren zur Verfügung. Je nach Fragestellung kommen unter anderem zum Einsatz:

  • Magnetresonanztomographie (MRT)
  • spezielle Gefäßdarstellungen mittels MRT oder Angiographie
  • Computertomographie (CT) bei akuten Blutungen
  • digitale Subtraktionsangiographie (DSA)
  • Ultraschallkontrollen der Hirngefäße, beispielsweise zur Überwachung von Vasospasmen nach einer Hirnblutung

Bei Gefäß-Nerven-Konflikten können spezielle hochauflösende MRT-Untersuchungen helfen, einen Kontakt zwischen Gefäß und Nerv darzustellen.

In unserer Sprechstunde besprechen wir die Befunde ausführlich mit Ihnen und klären gemeinsam:

  • Handelt es sich um eine behandlungsbedürftige Erkrankung?
  • Welche weiteren Untersuchungen sind notwendig?
  • Ist eine Operation sinnvoll oder sind Verlaufskontrollen ausreichend?

Welche Erkrankungen der Gefäße behandeln wir in der Neurochirurgie?

Aneurysmen, Fisteln und Gefäßmissbildungen

Aneurysmen

Ein Aneurysma ist eine Aussackung einer Hirnarterie. Reißt ein Aneurysma ein, kann es zu einer lebensbedrohlichen Hirnblutung kommen. Nicht jedes Aneurysma muss sofort behandelt werden – die Entscheidung hängt unter anderem von Größe, Lage und individuellem Risiko ab.

Arteriovenöse Malformationen (AVM)

Bei einer arteriovenösen Malformation besteht eine krankhafte Verbindung zwischen Arterien und Venen. Dadurch kann das Risiko für Blutungen oder neurologische Beschwerden erhöht sein.

Dura-arteriovenöse Fisteln

Dura-AV-Fisteln sind krankhafte Kurzschlussverbindungen zwischen Blutgefäßen der Hirn- oder Rückenmarkshäute. Je nach Ausprägung können sie Beschwerden verursachen oder ein Blutungsrisiko darstellen.

Kavernome

Kavernome sind gutartige Gefäßfehlbildungen, die aus erweiterten kleinen Blutgefäßen bestehen. Sie können unbemerkt bleiben, aber auch Blutungen, Krampfanfälle oder neurologische Symptome verursachen.

Hirnblutungen durch Gefäßerkrankungen

Eine akute Hirnblutung kann durch den Einriss eines krankhaft veränderten Gefäßes entstehen. In dieser Situation ist eine schnelle Diagnostik und Behandlung entscheidend.

Je nach Ursache kann eine operative Entlastung der Blutung oder die direkte Versorgung des betroffenen Gefäßes erforderlich sein. Nach einer Blutung ist häufig eine intensivmedizinische Überwachung notwendig.

Eine mögliche Komplikation sind Vasospasmen, also Verengungen der Hirngefäße. Diese können die Sauerstoffversorgung des Gehirns beeinträchtigen und werden durch regelmäßige Kontrollen überwacht.

Hemispasmus facialis

Der Hemispasmus facialis ist eine seltene Erkrankung mit unwillkürlichen Zuckungen einer Gesichtshälfte.

Ursache ist meist ein Gefäß-Nerven-Konflikt: Eine kleine Arterie liegt unmittelbar am Gesichtsnerven (Nervus facialis) und reizt diesen durch ihre Pulsationen.

Typische Beschwerden sind:

  • Zukneifen eines Auges
  • Verziehen des Mundwinkels
  • wiederkehrende, nicht kontrollierbare Gesichtsmuskelbewegungen
Trigeminusneuralgie

Die Trigeminusneuralgie verursacht kurze, sehr starke Schmerzattacken im Gesicht. Die Schmerzen können durch alltägliche Reize wie Sprechen, Essen, Zähneputzen oder Berührung ausgelöst werden.

Häufig liegt ein Gefäß-Nerven-Konflikt vor. Dabei berührt eine Arterie den fünften Hirnnerven (Nervus trigeminus) und löst die typischen Schmerzimpulse aus.

Neuromodulation bei chronischen Schmerzen

Neben der Behandlung von Gefäßerkrankungen des zentralen Nervensystems beschäftigt sich unsere Neurochirurgische Klinik auch mit modernen Verfahren der Schmerztherapie. Bei ausgewählten Patienten mit chronischen, therapieresistenten Schmerzen kann eine Rückenmarksstimulation (Spinal Cord Stimulation, SCS) eine Behandlungsmöglichkeit darstellen.

Die Rückenmarksstimulation kommt unter anderem bei bestimmten Formen von Nervenschmerzen, beispielsweise nach Nervenverletzungen, beim komplexen regionalen Schmerzsyndrom (CRPS) oder bei ausgewählten Patienten mit fortgeschrittener peripherer arterieller Verschlusskrankheit (pAVK, Schaufensterkrankheit) zum Einsatz.

Die pAVK ist eine Durchblutungsstörung der Beine, die durch eine Verengung der Arterien infolge von Arteriosklerose entsteht. Wenn gefäßmedizinische Behandlungsmöglichkeiten ausgeschöpft sind und weiterhin starke Schmerzen bestehen, kann die Rückenmarksstimulation zur Schmerzlinderung beitragen und die Lebensqualität verbessern.

Was ist eine Rückenmarksstimulation?

Bei der Spinal Cord Stimulation werden elektrische Impulse über eine Elektrode an der Rückenmarkshaut abgegeben. Dadurch kann die Verarbeitung von Schmerzsignalen im Nervensystem beeinflusst werden. Nach einer erfolgreichen Testphase kann ein dauerhaftes Stimulationssystem implantiert werden.

Interdisziplinäre Behandlung und Nachsorge

Komplexe Gefäßerkrankungen werden in unserem vaskulären Board gemeinsam von Spezialistinnen und Spezialisten verschiedener Fachrichtungen beurteilt. Dadurch kann für jede Patientin und jeden Patienten die individuell beste Behandlungsstrategie festgelegt werden. Auch nach einer Operation oder stationären Behandlung begleiten wir Sie weiter. Über unsere Sprechstunde erfolgen Nachkontrollen, Verlaufskontrollen und die weitere Therapieplanung.

Nach schweren Hirnblutungen organisieren wir bei Bedarf eine anschließende Rehabilitationsmaßnahme.

Häufige Fragen zur Behandlung von Gefäßerkrankungen an Gehirn und Rückenmark (FAQ)

Wann muss eine Gefäßerkrankung des Gehirns behandelt werden?

Ob eine Behandlung notwendig ist, hängt von der Art der Gefäßveränderung, ihrer Größe, Lage und dem individuellen Risiko ab. Manche Befunde werden regelmäßig kontrolliert, andere sollten behandelt werden.

Welche Symptome können auf ein Aneurysma oder eine Hirnblutung hinweisen?

Plötzlich auftretende neurologische Ausfälle wie Lähmungen, Sprachstörungen, Bewusstseinsverlust oder sehr starke Kopfschmerzen können Hinweise auf eine Hirnblutung sein und müssen sofort abgeklärt werden.

Kann ein Aneurysma ohne Operation behandelt werden?

Ja. Je nach Befund kann eine regelmäßige Kontrolle ausreichend sein. Die Entscheidung treffen wir nach einer ausführlichen Risikoabwägung.

Was ist ein Gefäß-Nerven-Konflikt?

Ein Gefäß-Nerven-Konflikt entsteht, wenn ein Blutgefäß direkt an einem Hirnnerven liegt und diesen durch die Gefäßpulsationen reizt. Dies kann beispielsweise Gesichtsschmerzen oder Gesichtszuckungen verursachen.

Wie wird eine Trigeminusneuralgie behandelt?

Zunächst erfolgt meist eine medikamentöse Behandlung. Wenn diese nicht ausreichend wirkt, können operative Verfahren wie die mikrovaskuläre Dekompression oder eine Thermokoagulation eingesetzt werden.

Wie wird ein Hemispasmus facialis behandelt?

Je nach Ausprägung können Medikamente oder Botulinumtoxin-Injektionen eingesetzt werden. Bei einem nachgewiesenen Gefäß-Nerven-Konflikt kann eine mikrovaskuläre Dekompression eine dauerhafte Verbesserung ermöglichen.

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