Klinik für Neurochirurgie

Hydrozephalus (umgangssprachlich "Wasserkopf")

Ein Hydrozephalus, umgangssprachlich auch „Wasserkopf“ genannt, ist eine Erkrankung des Hirnwasserkreislaufs und kann Menschen jeden Alters betreffen. Unbehandelt kann sie zu neurologischen Ausfällen führen und im akuten Fall lebensbedrohlich sein.

Unsere Neurochirurgische Klinik behandelt alle Formen des Hydrozephalus – vom akuten Verschlusshydrozephalus als neurochirurgischen Notfall bis zum Normaldruckhydrozephalus im höheren Lebensalter. Je nach Ursache kommen moderne bildgebende Verfahren, spezialisierte Testverfahren und individuell angepasste neurochirurgische Behandlungen zum Einsatz.

Ein Hydrozephalus ist eine Erkrankung, bei der das Gleichgewicht zwischen Bildung, Zirkulation und Wiederaufnahme des Gehirnwassers (Liquor) gestört ist. Dadurch erweitert sich das Ventrikelsystem des Gehirns und es kann zu einem erhöhten Hirndruck kommen. Die Ursache kann eine Abflussstörung des Liquors oder eine verminderte Wiederaufnahme des Hirnwassers sein. Veränderungen des Ventrikelsystems lassen sich mithilfe einer Computertomographie (CT) oder Magnetresonanztomographie (MRT) nachweisen.

Bei Säuglingen kann sich der Schädel aufgrund noch nicht vollständig verknöcherter Schädelnähte vergrößern. Bei Erwachsenen ist dies nicht möglich, da der Schädelknochen starr ist. Hier führt der Druckanstieg stattdessen zur Erweiterung der Hirnkammern und kann gesundes Gehirngewebe beeinträchtigen.

Ursachen eines Hydrozephalus

Ein Hydrozephalus kann angeboren oder im Laufe des Lebens erworben sein. Ein Hydrozephalus kann unter anderem entstehen durch:

  • Hirnblutungen
  • Hirntumoren
  • Hirnhautentzündungen (Meningitis)
  • angeborene Fehlbildungen des Liquorsystems
  • Verengungen der Liquorwege, beispielsweise eine Aquäduktstenose

Darüber hinaus kann ein Hydrozephalus auch ohne erkennbare Ursache auftreten. Diese Form wird als idiopathischer Normaldruckhydrozephalus (iNPH) bezeichnet und betrifft vor allem ältere Menschen.

Symptome bei Hydrozephalus

Die Beschwerden hängen von der Ursache, dem Alter und der Geschwindigkeit der Druckentwicklung ab und ob sich der Hydrozephalus akut oder langsam entwickelt.

Typische Symptome eines akuten Hydrozephalus:

  • Kopfschmerzen
  • Übelkeit und Erbrechen
  • Schwindel
  • Konzentrationsstörungen
  • Gedächtnisstörungen
  • Müdigkeit
  • Bewusstseinsstörungen bis hin zum Koma

Ein akuter Verschlusshydrozephalus ist ein neurochirurgischer Notfall und muss umgehend behandelt werden.

Symptome eines Normaldruckhydrozephalus

Beim idiopathischen Normaldruckhydrozephalus entwickelt sich die Erkrankung meist langsam.

Charakteristisch ist die sogenannte Hakim-Trias:

  • Gangstörung mit kleinschrittigem, breitbasigem Gang
  • Gedächtnis- und Konzentrationsstörungen bis hin zur Demenz
  • Harninkontinenz

Die Gangstörung ist häufig das erste und wichtigste Symptom.

Diagnostik: Wie wird ein Hydrozephalus festgestellt?

Zur Diagnostik gehören zunächst eine ausführliche neurologische Untersuchung sowie bildgebende Verfahren wie Computertomographie (CT) oder Magnetresonanztomographie (MRT), mit denen sich erweiterte Hirnkammern nachweisen lassen.

Besteht der Verdacht auf einen Normaldruckhydrozephalus, führen wir im Rahmen eines stationären Aufenthalts zusätzliche Untersuchungen durch.

Hierzu gehören unter anderem:

  • Lumbalpunktion mit Liquorablassversuch (Tap-Test)
  • gegebenenfalls mehrtägige Lumbaldrainage
  • neurologische Beurteilung von Gangbild, Gedächtnis und Blasenfunktion

Verbessern sich die Beschwerden nach dem kontrollierten Ablassen von Hirnwasser, spricht dies für einen behandlungsbedürftigen Normaldruckhydrozephalus.

Behandlung: Wie wird ein Hydrozephalus behandelt?

Die Behandlung richtet sich nach Ursache, Beschwerden und Form des Hydrozephalus. Ziel der Behandlung ist es, einen Liquorstau zu beseitigen und den Hirndruck dauerhaft zu normalisieren.

VP-Shunt

In den meisten Fällen implantieren wir einen Ventrikulo-Peritoneal-Shunt (VP-Shunt). Dabei wird überschüssiges Hirnwasser über einen dünnen Schlauch mit Ventilsystem dauerhaft vom Gehirn in die Bauchhöhle abgeleitet, wo es vom Körper aufgenommen wird.

Dieses Verfahren kommt insbesondere beim Normaldruckhydrozephalus sowie bei vielen Formen des chronischen Hydrozephalus zum Einsatz.

Endoskopische Ventrikulostomie

Liegt eine Aquäduktstenose oder eine andere Abflussstörung vor, kann eine endoskopische Drittventrikulostomie (ETV) eine Alternative zum Shunt sein. Dabei wird mit einem Neuroendoskop ein neuer Abflussweg für das Hirnwasser geschaffen.

Externe Ventrikeldrainage (EVD)

Bei einem akuten Verschlusshydrozephalus – beispielsweise nach einer Hirnblutung – erfolgt häufig zunächst die Anlage einer externen Ventrikeldrainage (EVD). Über einen Katheter wird Hirnwasser vorübergehend nach außen abgeleitet, um den Hirndruck rasch zu senken und das Gehirn zu entlasten.

Welche Behandlung im Einzelfall geeignet ist, entscheiden wir anhand der Ursache, der Beschwerden und der Untersuchungsergebnisse.

Nachsorge: Leben mit einem Hydrozephalus

Nach einer Shunt-Operation erfolgen regelmäßige Kontrolluntersuchungen, um die Funktion des Shunts und den Behandlungserfolg zu überprüfen. Nach erfolgreicher Behandlung können sich Mobilität, geistige Leistungsfähigkeit und Lebensqualität deutlich verbessern. Treten neue Beschwerden wie Kopfschmerzen, Gangstörungen oder Veränderungen des Bewusstseins auf, sollte die Shuntfunktion zeitnah ärztlich überprüft werden.

Häufige Fragen zum Hydrozephalus (FAQ)

Was ist ein Hydrozephalus?

Ein Hydrozephalus ist eine Störung des Hirnwasserkreislaufs, bei der sich zu viel Liquor in den Hirnkammern ansammelt. Dadurch können sich die Hirnkammern erweitern und der Druck auf das Gehirn steigen.

Was ist ein Normaldruckhydrozephalus?

Der Normaldruckhydrozephalus (iNPH) ist eine Form des Hydrozephalus, die meist ältere Menschen betrifft. Typisch sind Gangstörungen, Gedächtnisprobleme und Harninkontinenz.

Wann ist ein Hydrozephalus ein Notfall?

Ein akuter Verschlusshydrozephalus ist ein neurochirurgischer Notfall. Starke Kopfschmerzen, zunehmende Bewusstseinsstörungen oder Erbrechen sollten sofort ärztlich abgeklärt werden.

Welche Symptome hat ein Hydrozephalus bei Erwachsenen?

Typische Beschwerden sind Kopfschmerzen, Gangstörungen, Konzentrations- und Gedächtnisprobleme, Übelkeit oder Bewusstseinsstörungen. Beim Normaldruckhydrozephalus stehen Gangstörung, Gedächtnisstörung und Harninkontinenz im Vordergrund.

Was ist ein VP-Shunt?

Ein VP-Shunt ist ein unter der Haut verlaufendes Schlauchsystem mit Ventil, das überschüssiges Hirnwasser dauerhaft vom Gehirn in die Bauchhöhle ableitet.

Kann ein Hydrozephalus geheilt werden?

Die Ursache eines Hydrozephalus lässt sich nicht immer beseitigen. Moderne neurochirurgische Verfahren wie der VP-Shunt oder die endoskopische Drittventrikulostomie können jedoch den Hirnwasserabfluss dauerhaft verbessern und Beschwerden häufig deutlich lindern.

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