Klinik für Neurochirurgie
Moderne Operationsverfahren in der Neurochirurgie
Präzision und Sicherheit bei Eingriffen an Gehirn und Wirbelsäule
Operationen an Gehirn, Rückenmark und Wirbelsäule gehören zu den anspruchsvollsten Eingriffen der Medizin. Ziel jeder neurochirurgischen Operation ist es, krankhaft verändertes Gewebe möglichst vollständig zu entfernen oder zu versorgen und dabei wichtige Funktionen wie Sprache, Bewegung, Sehen, Hören oder Gedächtnis bestmöglich zu erhalten.
Moderne technische Verfahren unterstützen die Planung und Durchführung neurochirurgischer Eingriffe und tragen zu einer hohen Behandlungsqualität bei. Dazu gehören die Neuronavigation, das intraoperative neurophysiologische Monitoring (IONM), stereotaktische Verfahren, fluoreszenzgestützte Operationstechniken sowie Wachoperationen.
Welche Verfahren eingesetzt werden, richtet sich nach der jeweiligen Erkrankung und der individuellen Operationsplanung. Häufig werden mehrere dieser Techniken miteinander kombiniert, um die Sicherheit und Präzision während des Eingriffs weiter zu erhöhen.
Intraoperatives neurophysiologisches Monitoring (IONM)
Was ist das intraoperative neurophysiologische Monitoring?
Das intraoperative neurophysiologische Monitoring (IONM) dient der kontinuierlichen Überwachung wichtiger Nervenbahnen und Hirnfunktionen während einer neurochirurgischen Operation. Mithilfe elektrophysiologischer Messungen lassen sich Veränderungen wichtiger Nervenfunktionen unmittelbar erkennen. Das Operationsteam kann unmittelbar reagieren und das operative Vorgehen bei Bedarf anpassen. So lassen sich neurologische Ausfälle häufig vermeiden oder deutlich reduzieren und gleichzeitig eine möglichst vollständige Behandlung zu ermöglichen.
Welche Verfahren werden eingesetzt?
Je nach Operation kommen unterschiedliche Messverfahren zum Einsatz:
- motorisch evozierte Potenziale (MEP) zur Überwachung der Bewegungsbahnen
- somatosensorisch evozierte Potenziale (SSEP) zur Kontrolle der sensiblen Nervenbahnen
- akustisch evozierte Potenziale (AEP) zur Überwachung der Hörbahn
- visuell evozierte Potenziale (VEP) zur Kontrolle der Sehbahn
- Elektromyographie (EMG) zur Überwachung einzelner Hirnnerven und Muskeln
Zusätzlich kommen sogenannte Mappingverfahren zum Einsatz. Dabei werden bestimmte Hirnareale oder Nerven während der Operation gezielt stimuliert, um funktionell wichtige Bereiche sicher zu identifizieren.
Wann wird das Monitoring eingesetzt?
Das intraoperative Monitoring gehört heute bei vielen neurochirurgischen Eingriffen zum Standard, insbesondere bei:
- Hirntumoren
- Schädelbasisoperationen
- Eingriffen am Rückenmark
- komplexen Wirbelsäulenoperationen
- Wachoperationen
Bei Operationen im Bereich des unteren Rückenmarks kann zusätzlich die Funktion der Blasen- und Darmkontrolle überwacht werden. Hierfür arbeiten wir eng mit der Klinik für Urologie zusammen.
Neuronavigation
Was ist eine Neuronavigation?
Die Neuronavigation ist ein computergestütztes Navigationssystem, das den Operateur während eines neurochirurgischen Eingriffs unterstützt. Ähnlich wie ein Navigationssystem im Straßenverkehr zeigt sie die exakte Position der Operationsinstrumente im Verhältnis zu den zuvor angefertigten MRT- oder CT-Aufnahmen.
Dadurch lassen sich krankhafte Veränderungen präzise lokalisieren und empfindliche Hirn- oder Nervenstrukturen gezielt schonen.
Wie funktioniert die Neuronavigation?
Vor der Operation werden hochauflösende MRT- oder CT-Bilder erstellt. Aus diesen Bilddaten entsteht ein dreidimensionales Modell des Operationsgebietes.
Im Operationssaal wird dieses Modell mithilfe spezieller Referenzmarker und Infrarotkameras mit der tatsächlichen Anatomie des Patienten abgeglichen. Die Position der Instrumente wird kontinuierlich in Echtzeit dargestellt.
Wann wird die Neuronavigation eingesetzt?
Die Neuronavigation wird routinemäßig bei zahlreichen neurochirurgischen Eingriffen verwendet, insbesondere bei:
- Hirntumoren
- Schädelbasistumoren
- tief gelegenen Veränderungen im Gehirn
- Wirbelsäulenoperationen
- navigierter Schraubenplatzierung bei stabilisierenden Eingriffen
Stereotaxie
Was ist eine stereotaktische Operation?
Die Stereotaxie ist ein minimalinvasives Verfahren, mit dem Veränderungen im Gehirn gezielt über ein dreidimensionales Koordinatensystem erreicht werden. Dadurch kann das Risiko des Eingriffs reduziert werden.
Über eine kleine Schädelöffnung wird eine Biopsienadel oder Drainage exakt zum Zielgebiet geführt.
Wann wird die Stereotaxie eingesetzt?
Die stereotaktische Technik eignet sich insbesondere für:
- Gewebeproben aus Hirntumoren (stereotaktische Biopsie)
- Diagnosesicherung unklarer Hirnveränderungen
- Drainage von Hirnabszessen
- Behandlung von Hirnzysten
- Entlastung bestimmter Hirnblutungen
Das minimalinvasive Vorgehen schont gesundes Hirngewebe und kann das Operationsrisiko verringern.
Fluoreszenzgestützte Tumorchirurgie
Warum werden Fluoreszenzverfahren eingesetzt?
Bei einigen Hirntumoren ist die Grenze zwischen gesundem und erkranktem Hirngewebe während der Operation nur schwer erkennbar. Fluoreszenzverfahren erleichtern die Abgrenzung von Tumor- und gesundem Hirngewebe.
5-Aminolävulinsäure (5-ALA)
Bei vielen bösartigen Gliomen erhalten Patientinnen und Patienten einige Stunden vor der Operation 5-Aminolävulinsäure (5-ALA). Die Substanz reichert sich bevorzugt in Tumorzellen an.
Unter speziellem Operationslicht fluoresziert das Tumorgewebe rot-violett und kann dadurch besser vom gesunden Gehirngewebe unterschieden werden.
Fluorescein (Yellow)
Bei Hirnmetastasen kommt häufig Natrium-Fluorescein zum Einsatz. Der Farbstoff wird während der Operation über eine Vene verabreicht und verbessert die Erkennung und Abgrenzung von Tumorgewebe während des Eingriffs.
ICG-Fluoreszenzangiographie
Bei Operationen an Hirngefäßen, beispielsweise zur Behandlung eines Aneurysmas, verwenden wir Indocyaningrün (ICG). Dadurch lässt sich der Blutfluss direkt beurteilen und das Operationsergebnis sofort kontrollieren.
Wachoperation bei Hirntumoren
Wann ist eine Wachoperation sinnvoll?
Liegt ein Hirntumor in unmittelbarer Nähe wichtiger Sprach-, Bewegungs- oder anderer Funktionszentren, kann eine Wachoperation sinnvoll sein.
Während eines Teils der Operation ist die Patientin oder der Patient wach und arbeitet aktiv mit dem Operationsteam zusammen. So können wichtige Hirnfunktionen während der Tumorentfernung fortlaufend überprüft werden.
Wie läuft eine Wachoperation ab?
Die Haut und die Hirnhäute werden örtlich betäubt. Das Gehirn selbst besitzt keine Schmerzrezeptoren, sodass die eigentliche Tumorentfernung nicht schmerzhaft ist.
Während der Testphase beantwortet die Patientin oder der Patient Fragen, benennt Gegenstände oder bewegt Arme und Beine. Auf diese Weise lassen sich funktionell wichtige Hirnareale sicher identifizieren und gezielt schonen.
Nach Abschluss der Testung wird die Operation meist in Vollnarkose fortgeführt.
Welche Vorteile bieten moderne Operationsverfahren?
Der gezielte Einsatz moderner neurochirurgischer Verfahren unterstützt eine sichere und präzise Behandlung von Erkrankungen des Gehirns, Rückenmarks und der Wirbelsäule. Je nach Befund werden verschiedene Technologien miteinander kombiniert und individuell auf die jeweilige Operation abgestimmt.
Zu den Vorteilen gehören:
- präzise Planung und Navigation des Eingriffs
- größtmögliche Schonung funktionell wichtiger Hirn- und Nervenstrukturen
- kontinuierliche Überwachung neurologischer Funktionen
- verbesserte Orientierung bei komplexen anatomischen Verhältnissen
- Unterstützung einer möglichst vollständigen Tumorentfernung
- präzise Implantation von Schrauben bei stabilisierenden Wirbelsäuleneingriffen
- individuelle Auswahl der geeigneten Operationsverfahren
Welche Technologien zum Einsatz kommen, entscheidet unser erfahrenes neurochirurgisches Team auf Grundlage der jeweiligen Erkrankung, der Lage des Befundes und der individuellen anatomischen Gegebenheiten.
Häufige Fragen zu modernen Operationsverfahren (FAQ)
Was ist das intraoperative neurophysiologische Monitoring?
Mit dem intraoperativen neurophysiologischen Monitoring werden wichtige Nervenfunktionen kontinuierlich überwacht. Veränderungen können früh erkannt werden, sodass das Operationsteam bei Bedarf unmittelbar reagieren kann.
Warum wird eine Neuronavigation eingesetzt?
Die Neuronavigation dient der Orientierung während neurochirurgischer Eingriffe. Sie zeigt die Position der Instrumente in Echtzeit an und erleichtert eine präzise Operationsführung.
Was ist eine stereotaktische Biopsie?
Bei einer stereotaktischen Biopsie wird über eine kleine Schädelöffnung gezielt eine Gewebeprobe aus einer Hirnveränderung entnommen. Das Verfahren gilt als besonders schonend und präzise.




