Klinik für Neurochirurgie

Therapieresistente Epilepsie und Vagus-Nerv-Stimulation

Epilepsie ist eine neurologische Erkrankung, bei der es wiederholt zu epileptischen Anfällen durch eine vorübergehende Fehlfunktion von Nervenzellen im Gehirn kommt. Bei vielen Patienten lassen sich die Anfälle durch Medikamente gut kontrollieren.

Wenn epileptische Anfälle trotz geeigneter Behandlung mit mehreren Medikamenten weiterhin auftreten, spricht man von einer therapieresistenten Epilepsie. Für ausgewählte Patienten kann die Vagus-Nerv-Stimulation (VNS) eine zusätzliche Behandlungsmöglichkeit sein, um die Anfallshäufigkeit zu reduzieren und die Lebensqualität zu verbessern.

Unsere Neurochirurgische Klinik führt die Implantation eines Vagus-Nerv-Stimulators in enger Zusammenarbeit mit der Neurologie und spezialisierten Epilepsie-Experten durch.

Eine Epilepsie gilt als therapieresistent, wenn epileptische Anfälle trotz ausreichend langer Behandlung mit geeigneten Medikamenten und mehreren unterschiedlichen Wirkstoffen weiterhin auftreten.

Dies betrifft insbesondere Patienten:

  • bei denen mehrere Medikamente keine ausreichende Wirkung zeigen,
  • bei denen mehrere epileptische Herde im Gehirn bestehen,
  • bei denen ein einzelner Anfallsherd nicht sicher operativ entfernt werden kann.

Während bei manchen Patienten durch eine epilepsiechirurgische Entfernung des auslösenden Hirnareals eine Anfallsfreiheit erreicht werden kann, ist dies bei komplexen Formen der Epilepsie häufig nicht möglich.

Symptome bei Epilepsie

Epileptische Anfälle können sehr unterschiedlich ausgeprägt sein. Mögliche Symptome sind:

  • Bewusstseinsstörungen
  • unwillkürliche Bewegungen oder Krampfanfälle
  • kurze Aussetzer der Wahrnehmung
  • Erinnerungslücken
  • ungewöhnliche Empfindungen oder Verhaltensänderungen

Die Auswirkungen wiederkehrender Anfälle können den Alltag, die Berufsfähigkeit und die Lebensqualität erheblich beeinträchtigen.

Diagnostik: Wie wird eine therapieresistente Epilepsie beurteilt?

Vor einer Vagus-Nerv-Stimulation ist eine sorgfältige Untersuchung notwendig, um die Ursache der Epilepsie und die Erfolgsaussichten der Behandlung einzuschätzen. Zur Abklärung gehören unter anderem:

  • ausführliche neurologische Untersuchung
  • Analyse der bisherigen Anfallsformen und Medikamentenbehandlungen
  • Elektroenzephalographie (EEG)
  • Magnetresonanztomographie (MRT) des Gehirns
  • gegebenenfalls spezielle epileptologische Untersuchungen

Gemeinsam mit unseren neurologischen Kolleginnen und Kollegen prüfen wir:

  • ob eine Vagus-Nerv-Stimulation sinnvoll ist,
  • ob andere operative Behandlungsmöglichkeiten bestehen,
  • welche Erfolgsaussichten durch die Therapie realistisch sind.

Behandlung: Vagus-Nerv-Stimulation bei Epilepsie

Was ist eine Vagus-Nerv-Stimulation?

Die Vagus-Nerv-Stimulation (VNS) ist ein Verfahren der Neuromodulation, bei dem der zehnte Hirnnerv (Nervus vagus) durch elektrische Impulse stimuliert wird.

Die regelmäßige elektrische Aktivierung des Nervus vagus kann die Häufigkeit und Intensität epileptischer Anfälle reduzieren. Ziel der Behandlung ist nicht immer eine vollständige Anfallsfreiheit, sondern eine bessere Kontrolle der Epilepsie und eine Verbesserung der Lebensqualität.

Wie wird ein Vagus-Nerv-Stimulator implantiert?

Der Vagus-Nerv-Stimulator besteht aus:

  • einer dünnen Elektrode am linken Halsbereich, die um den Nervus vagus gelegt wird,
  • einem kleinen Impulsgenerator, der unter der Haut im Bereich des Brustkorbs implantiert wird.

Der Eingriff erfolgt in der Regel unter Vollnarkose. Nach der Implantation können die Stimulationsparameter individuell angepasst werden. Die Einstellung der Therapie erfolgt schrittweise entsprechend der Verträglichkeit und der Anfallsentwicklung.

Wann kommt eine Vagus-Nerv-Stimulation infrage?

Eine VNS kann insbesondere dann erwogen werden, wenn:

  • epileptische Anfälle trotz mehrerer Medikamente bestehen,
  • eine Entfernung eines epileptischen Herdes nicht möglich oder nicht sinnvoll ist,
  • mehrere Anfallsherde vorliegen,
  • andere Behandlungsmöglichkeiten ausgeschöpft wurden.

Die Entscheidung für eine Implantation erfolgt immer nach einer individuellen Bewertung durch ein spezialisiertes interdisziplinäres Team.

Nachsorge: Betreuung nach Implantation eines Vagus-Nerv-Stimulators

Nach der Operation erfolgen regelmäßige Kontrollen und Anpassungen der Stimulationsparameter. Die Nachsorge umfasst:

  • Kontrolle der Wundheilung
  • Einstellung und Optimierung des Stimulators
  • Beobachtung der Anfallsentwicklung
  • neurologische Verlaufskontrollen

Durch die enge Zusammenarbeit zwischen Neurochirurgie und Neurologie ist eine kontinuierliche Betreuung vor und nach der Implantation gewährleistet. Ziel der Behandlung ist es, epileptische Anfälle langfristig besser zu kontrollieren und die Lebensqualität zu verbessern.

Häufige Fragen zur Vagus-Nerv-Stimulation bei Epilepsie (FAQ)

Was bedeutet therapieresistente Epilepsie?

Von einer therapieresistenten Epilepsie spricht man, wenn epileptische Anfälle trotz Behandlung mit geeigneten Medikamenten weiterhin auftreten.

Kann ein Vagus-Nerv-Stimulator Epilepsie heilen?

Eine Heilung der Epilepsie kann durch die Vagus-Nerv-Stimulation in der Regel nicht erreicht werden. Die Therapie kann jedoch die Anzahl und Schwere epileptischer Anfälle reduzieren.

Wann wird ein Vagus-Nerv-Stimulator eingesetzt?

Ein VNS-System kommt vor allem bei Patienten infrage, deren Epilepsie durch Medikamente nicht ausreichend kontrolliert werden kann und bei denen andere operative Verfahren nicht geeignet sind.

Wie funktioniert ein Vagus-Nerv-Stimulator?

Das Gerät gibt regelmäßig elektrische Impulse an den Nervus vagus ab. Dadurch können epileptische Aktivitäten im Gehirn beeinflusst und Anfälle reduziert werden.

Wie lange bleibt ein Vagus-Nerv-Stimulator im Körper?

Der Stimulator kann dauerhaft im Körper verbleiben. Die Batterie des Generators muss je nach Modell und Nutzung nach mehreren Jahren ausgetauscht werden.

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