Klinik für Neurologie

Morbus Parkinson/ Idiopathisches Parkinson-Syndrom

Eine der häufigsten sporadischen neurodegenerativen Bewegungsstörungen

Fallbeispiel: Der 60jährige Herr Zintl beklagt beim Hausarzt, dass seine langjährigen Rückenschmerzen wieder zugenommen hätten. Er fühle sich vor allem nachts steif wie ein Brett, könne nicht mehr ordentlich schlafen und habe Alpträume. Mit seiner Frau sei er schon länger unzufrieden, da diese nur noch fade schmeckende Gerichte auf den Tisch bringe. Diese habe sich dafür über ihn beklagt, weil er ständig aufgrund eines Zitterns der rechten Hand Essen auf seiner Kleidung verschütte und sie mit dem Waschen nicht mehr hinterherkäme. Die Ehefrau habe sich auch beschwert, dass er so leise und unverständlich spreche und er kein fröhliches Gesicht mehr mache. Ihm selbst sei auch eine Ungeschicklichkeit der rechten Hand aufgefallen. Eine Urlaubspostkarte aus Weltenburg an seine Schwester habe er nicht zu Ende gebracht, da das Schriftbild völlig krakelig und klein sei. Beim Ausflug mit Freunden in Weltenburg sei auch aufgefallen, dass er vornübergebeugt und tapsig gehe. Er habe auch Probleme mit dem Gleichgewicht und habe durch ein rechtzeitiges Einhalten schlimmere Stürze gerade noch vermeiden können.

Die von James Parkinson 1817 als Schüttellähmung („An Essay on the Shaking Palsy“) erstmals beschriebene Erkrankung ist sicherlich eine der bekanntesten Bewegungsstörungen und gehört neben der Alzheimer-Demenz zu den häufigsten Erkrankungen des zentralen Nervensystems.

In Deutschland leben ungefähr 300.000 Betroffene. Die Häufigkeit der Parkinson-Erkrankung steigt im Alter. Die meisten Menschen erkranken zwischen dem 50. und 79. Lebensjahr. Männer sind häufiger betroffen als Frauen.

Auf dem großen Feld der Bewegungsstörungen haben wir eine besondere Expertise und behandeln viele Patienten, die auch an anderen Krankheitsbildern leiden.

 

Entwicklung der Bewegungsstörung

Eine leichte Bewegungsstörung, die meist einseitig beginnt, zeigt sich zunächst in einem verminderten Mitschwingen eines Armes und einer verminderten Mimik oder einer Feinmotorikstörung (zum Beispiel beim Schreiben). Nimmt die Gangstörung zu, wird die Fortbewegung kleinschrittig, weniger flüssig und bringt eine Starthemmung mit sich. Die Initiierung von Bewegungsabläufen ist gestört. Eine Veränderung des Sprechens tritt ein: Die Stimme wird heiser und das Sprechen monoton, leiser. Es treten Momente der völligen Unbeweglichkeit auf, sogenanntes freezing. Das Umdrehen, Stehen und Liegen wird schwierig. Wiederholte Bewegungsabläufe können in ihrer Schnelligkeit schlecht variiert werden. Beim Gehen treten Trippelschritte auf (Festination). Die Körperhaltung ist zunehmend gebeugt. Es tritt eine vermehrte Fallneigung auf.

Für die klinische Diagnose Parkinson sollten mindestens zwei der folgenden Kardinalbeschwerden bestehen

  • Verlangsamung und Verminderung willkürlicher Bewegungen (Akinese/Bradykinese)
  • Muskelsteifigkeit (Rigor)
  • Ruhezittern (Tremor)
  • Störung der gleichgewichtsregulierenden Reflexe (posturale Instabilität)

Ursache

Parkinson-Syndrome treten in der Regel sporadisch und selten familiär auf. Eine erblich bedingte Parkinson-Erkrankung beginnt bereits im jüngeren Lebensalter.

Ursache ist ein langsamer Zelluntergang, der sogenannten dopaminergen Neurone im Hirnstamm, in der Substantia nigra. Es entsteht dadurch ein Mangel des Botenstoffs Dopamin, der eine sehr wichtige Rolle in den Schaltkreisen zur Steuerung von Bewegungsabläufen spielt. Dopamin ist eine chemische Substanz, die an den Nervenverbindungen (Synapsen) die Information von Nervenzelle zu Nervenzelle vermittelt.

Bei den sogenannten sekundären Parkinson-Syndromen gehen die für Bewegungsabläufe wichtigen Nervenzellen nicht spontan zugrunde, sondern durch eine bestimmbare Erkrankung.

Es kommt zu Zelluntergang durch

  • eine Stoffwechselstörung
  • eine abgelaufene Hirnentzündung (Encephalitis)
  • Durchblutungsstörungen (kleine Schlaganfälle in Hirnstrukturen wie den Basalganglien oder dem Marklager)
  • Schadstoffe (Mangan, Kohlenmonoxid oder Medikamente wie Neuroleptika).

Beim eigentlichen (primären) wie beim sekundären Parkinson-Syndrom kommt es zu einer deutlichen Verminderung des Botenstoffes Dopamin.

Diagnostik

Wird bei der klinischen Diagnose auf die Kardinalbeschwerden geachtet, fällt die Feststellung eines Parkinson-Syndroms zunächst nicht schwer. In der Regel wird keine spezielle Zusatzdiagnostik benötigt, um ein Parkinson-Syndrom zu erkennen. Selten tritt ein Parkinsonsyndrom auch mit einer anderen neurologischen Erkrankung wie einer Demenz oder einer Amyotrophen Lateralsklerose auf. Die Kombination aller drei Erkrankungen wurde zwischen 1940 und 1960 bis zu hundert Mal häufiger als bei der Weltbevölkerung bei dem indigenen Stamm der Chamorro auf der Pazifikinsel Guam beobachtet.

In Regensburg berücksichtigt man Erkrankungen, die Bewegungsstörungen verursachen können und in der Behandlung von einem Morbus Parkinson unterschieden werden müssen.

  • Normaldruckhydrocephalus
  • Beschwerde-Trias: Gangstörung, Gedächtnisstörung und Inkontinenz
  • Subcortikale arteriosklerotische Encephalopathie
  • Schädigung des Marklagers durch kleine Durchblutungsstörungen
  • Morbus Wilson
  • Kupferstoffwechselstörung
  • Essentieller Tremor, eine häufige teilweise auch erbliche Form des Zitterns
  • Selten raumfordernde Schädigungen

Bei der Erstdiagnose des Morbus Parkinson soll eine Kernspintomographie des Schädels erfolgen, um nicht andere, behandelbare Ursachen zu übersehen.

Mit einer Blutentnahme werden Stoffwechselstörungen, Elektrolytstörungen oder Entzündungen abgeklärt.

Eine Nervenwasseruntersuchung kann notwendig werden, um eine Entzündung oder die Diagnose eines Normaldruckhydrocephalus auszuschließen.

Durch einen Medikamententest (L-Dopa-Test), bei dem der fehlende Botenstoffe Dopamin durch Medikamente ersetzt wird, kann eine deutliche Besserung der Beschwerden erzielt werden und dadurch ein Ansprechen auf die Therapie und eine Bestätigung der Diagnose erreicht werden.

Therapie

Die Parkinson-Erkrankung ist nicht heilbar, aber mit Medikamenten kann der Krankheitsverlauf verzögert und in den meisten Fällen eine deutliche Besserung der Symptome erreicht werden. Es benötigt oft Geduld, die richtigen Zeitpunkte der Einnahme von dopaminerger Substanzen zu ermitteln. Wichtig ist hierbei auf eine Einnahme von L-Dopa unabhängig zu den Mahlzeiten zu achten, da sonst das Medikament vom Körper nur sehr gering aufgenommen werden kann.

Hilfreich ist, wenn der Patient ein Bewegungstagebuch im Alltag führt und seinem behandelnden Neurologen mitteilen kann, zu welchen Zeitpunkten am Tag er sich mehr über- oder unterbeweglich fühlt und somit mit einer Medikamentenanpassung reagiert werden kann.

Mit Fortschreiten der Erkrankung wird ein geringeres Ansprechen der Erkrankung auf die Gabe von L-Dopa beobachtet. Hier müssen dann im Rahmen eines mehrtägigen stationären Aufenthaltes Medikamentenkombinationen getestet und zu mehreren Zeitpunkten L-Dopa eingenommen werden. Häufiger kommt es zu Wirkungsschwankungen (Fluktuationen) und einem rascheren Abklingen des Therapieeffektes.

Bei sehr fortgeschrittenen Beschwerden bestehen weitere therapeutische Möglichkeiten, wie das Einbringen einer Pumpe in den Magen-Darm-Trakt über die Bauchwand, die über den ganzen Tag L-Dopa abgibt (Duodopa-Pumpe). Wir besitzen darüber hinaus auch große Erfahrung in der Anwendung anderer Pumpen oder Peninjektionen mit anderen Wirkstoffen wie dem Apomorphin.

Wir haben seit Jahren eine weitreichende Expertise in Diagnostik und Therapie von Bewegungsstörungen. Auch schwer betroffene Patienten werden bei uns mit diesen komplexen Medikationsangeboten betreut. Es besteht bei uns zudem die Möglichkeit der Nachsorge von Patienten, die einen tiefen Hirnstimulator erhalten haben. Selbstverständlich gehören nicht nur Medikamente zur Behandlung von Parkinson-Patienten. Unser interdisziplinäres Team an Ergo-, Logo- und PhysiotherapeutInnen sowie auch unsere Seelsorger steht Ihnen beratend zur Seite, um eine möglichst hohe Zufriedenheit und Lebensqualität in Ihrem Alltag zu erreichen.

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