Klinik für Neurologie

Multiple Sklerose

Eine Krankheit mit 1.000 Gesichtern

Fallbeispiel: Eine 28-jährige Studentin bemerkt seit drei Tagen eine zunehmende Sehstörung auf einem Auge. Sie hat das Gefühl durch eine Milchglasscheibe zu blicken. Bald kann sie mit dem Auge nahezu nichts mehr erkennen. Zunächst sucht sie einen Augenarzt auf, der sie zu einem Neurologen überweist. Dieser äußert nach einigen Untersuchungen den Verdacht auf eine Multiple Sklerose. 

So oder ähnlich beginnt manchmal die Krankheitsgeschichte bei Multipler Sklerose (MS, auch Encephalomyelitis disseminata, ED genannt). Sie ist eine der häufigsten neurologischen Erkrankungen im jungen Erwachsenenalter. MS ist eine chronisch entzündliche Erkrankung des Gehirns und des Rückenmarks. Die Ursache ist noch nicht vollständig verstanden. Mehrere Faktoren lösen eine Autoimmunreaktion aus, bei der körpereigene Entzündungs- und Abwehrzellen die Hüllschichten der Nervenfasern und die Nervenfasern selbst schädigen.  

In Deutschland leiden etwa 120.000 Menschen an MS. Die Krankheit tritt in der Regel zwischen dem 20. und 40. Lebensjahr auf, wobei Frauen doppelt so häufig erkranken wie Männer. Die Multiple Sklerose verläuft meist in Krankheitsschüben und hat viele Gesichter. Der individuelle Verlauf ist sehr unterschiedlich. Es können alle möglichen neurologischen Beschwerden auftreten.

  • Sehstörungen
  • Gefühlstörungen
  • Lähmungen
  • Blasenstörungen
  • erhöhte Ermüdbarkeit und Vieles mehr

Diagnose

Die Erkrankung ist zwar immer noch nicht heilbar, sie kann jedoch durch moderne Diagnostik wie die Kernspintomographie und die Nervenwasseranalyse sehr viel früher erkannt und damit effektiver behandelt werden. Die Früherkennung ist sehr wichtig, um mit immunmodulatorischen oder immunsuppressiven Therapien den Krankheitsverlauf entscheidend beeinflussen zu können.

Akutbehandlung bei Schüben

Wir besitzen umfangreiche Erfahrung in der Behandlung der MS und können Ihnen alle aktuell zur Verfügung stehenden modernen Therapieverfahren bis hin zur Plasmapherese anbieten. Außerdem besitzen wir umfangreiche Erfahrung in der Behandlung MS-ähnlicher, entzündlicher Nervenerkrankungen wie zum Beispiel der Neuromyelitis optica.

Bei einem akuten Schub erhält der Patient drei bis fünf Tage lang hochdosiert Kortisonpräparate (Kortikosteroide) als Infusion über die Vene. Sie sollen die Entzündungsreaktion eindämmen und Symptome rasch zum Abklingen bringen. Bilden sich die Symptome nicht zurück, wird die Infusionstherapie wiederholt, eventuell mit einer höheren Dosis. Eine Langzeitbehandlung mit Kortison ist hingegen nicht sinnvoll. Zum einen wäre sie nebenwirkungsreich, zum anderen beeinflusst sie den Krankheitsverlauf nicht.

Zeigt die Kortisontherapie keine Wirkung, kommt eine sogenannte Blutwäsche (Plasmapherese) infrage. Dabei wird dem Patienten Blut entnommen, über spezielle Filter von verschiedenen Bestandteilen gereinigt und wieder zurückgeführt. Bei knapp 50 Prozent der Patienten kann durch diese Methode eine Besserung erreicht werden.

Langzeitbehandlung (Immunmodulation oder Immunsuppression)

Einen Basistherapie soll das Fortschreiten der Erkrankung verlangsamen und weiteren Schüben vorbeugen. In den letzten Jahren hat sich das Angebot an Präparaten für die Langzeittherapie deutlich erweitert und kann individuell je nach Aktivität der Multiplen Sklerose abgestimmt werden. Wir besitzen ausreichend Erfahrung, um Sie in der Auswahl Ihrer Basismedikation von den klassischen Spritzentherapien bis hin zu den neuen Präparaten in Tablettenform beraten und um auf eine Veränderung der Aktivität der Erkrankung reagieren zu können. Bei hochaktiven Formen stehen auch intravenöse Präparate zur Verfügung.

Symptomatische Therapie und zusätzliche Maßnahmen

Zur Verbesserung und Erhalt der Lebensqualität ist es nicht nur wichtig eine regelmäßige medikamentöse Basistherapie anzuwenden. Je nach Ihrem Beschwerdebild sollten ergänzend weitere, nicht-medikamentöse Maßnahmen erfolgen. Generell ist hier an die Physio- und Ergotherapie beziehungsweise die Logopädie zu denken. Regelmäßiger Ausdauersport oder gezielte physiotherapeutische Übungen (z.B. Muskelentspannung nach Jacobson) können Muskelschmerzen, Muskelanspannungen (Spastik) oder auch die Schlafhygiene nachhaltig beeinflussen. Bei depressiven Störungen oder Schwierigkeiten mit dem Gedächtnis können eine psychologische Betreuung und spezielle Eigenübungen sinnvoll sein. Viele MS-Patienten sind durch eine Störung der Blasenfunktion erheblich beeinträchtigt. Besonders die Behandlung dieser Beschwerden, die oft aus Scham unter den Teppich gekehrt werden ist uns in Zusammenarbeit mit unseren urologischen Kollegen, die einen Schwerpunkt in der Behandlung neurologischer Blasenentleerungsstörungen haben, wichtig.

Nachgewiesen ist, dass Nikotinkonsum sich negativ auf die Grunderkrankung auswirkt. Eine gesunde Ernährung ist prinzipiell empfehlenswert, allerdings ist nicht zu speziellen Diätregimes zu raten. Besteht bei Ihnen ein Vitamin D-Mangel, sollte dieser ausgeglichen werden.

Eine extreme Sonnenexposition oder andere Formen, sich starker Hitze auszusetzen (z.B. Solarium Sauna) sollten möglichst unterbleiben, da dies MS-bezogene Beschwerden verschlechtern kann.

Generell ist es zudem besonders wichtig, sich regelmäßig bei einem niedergelassenen Neurologen vorzustellen, der ihren Krankheitsverlauf im Auge hat und dann rechtzeitig reagieren kann. Zudem kann er sie individuell in Ihrer Lebenssituation (Arbeitsplatz, Hilfsmittelunterstützung, Schwangerschaft etc.) kompetent beraten und begleiten.

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