Unser Haus

Frater Eustachius Kugler

Wer war unser Krankenhaus-Erbauer?

Anlässlich des Krankenhaus-Jubiläums sollten Sie Frater Eustachius Kugler kennen lernen, dem wahrlich in die Wiege gelegt wurde, Provinzial einer damals noch sehr großen Ordensgemeinschaft und Weichensteller für die Gesundheitsversorgung der Barmherzigen Brüder in Regensburg zu werden.

Seine Kindheit und Jugend

Der kleine Josef Kugler, geboren am 15. Januar 1867 im oberpfälzischen Neuhaus, hatte eine schwere Kindheit: Als Erstklässler starb sein Vater Michael und seine Mutter Anna Maria musste ihre sechs Kinder ganz alleine durchbringen. Nach der siebten Klasse verließ Kugler als 14-Jähriger die Schule und ging nach München, um den Beruf des Bauschlossers zu lernen. Doch während der Ausbildung passierte auf der Baustelle ein einschneidendes Unglück: Er stürzte vom vier Meter hohen Baugerüst und zog sich einen komplizierten offenen Bruch am rechten Bein zu. Die Unfallfolgen beeinträchtigten ihn sein ganzes Leben. Zwar konnte er noch die Ausbildung mit dem Gesellenbrief abschließen, aber an ein Arbeitsleben auf dem Bau war nicht mehr zu denken.

Seine Familie holte ihn daraufhin zurück in die Oberpfalz nach Reichenbach, wo er nach dem Tod seiner Mutter 1886 bei seiner Schwester Katharina und deren Mann, dem Schmied Josef Reichenberger, lebte und für diesen arbeitete. Als dann der Orden der Barmherzigen Brüder 1890 auf dem Reichenberger Klosterberg eine Einrichtung für Menschen mit Behinderung erbaute, vergab er die Schlosserarbeiten an Reichenberger. Hier kam Kugler erstmals in Kontakt mit dem Orden der Barmherzigen Brüder.

Eintritt in den Orden der Barmherzigen Brüder

Kugler konnte beobachten, wie liebevoll und aufmerksam sich die Brüder um die wachsende Anzahl der Pfleglinge der neuen Einrichtung kümmerten. Frater Eligius kümmerte sich zudem regelmäßig um seine offene Wunde an seinem Bein, die sich nun endlich schloss. Aufgrund seines starken Glaubens und beeindruckt von der Arbeit der Barmherzigen Brüder trat er 1893 in das Reichenbacher Kloster ein und nimmt den Namen Eustachius an. In Bad Wörishofen ging er beim berühmten Wasserdoktor Pfarrer Sebastian Kneipp in die Krankenpflegeschule.

1898 legte Kugler die feierliche Profess ab. Ab diesem Zeitpunkt übernahm er in den verschiedenen Einrichtungen des Ordens Leitungsaufgaben – vor allem als Prior in Straubing und Gremsdorf. Hier musste er auch mit den Entbehrungen des 1. Weltkrieges zurechtkommen. 1921 forderten zwei schlimme Grippewellen große Opferzahlen unter den Brüdern und Betreuten. Der Historiker Christian Feldmann beschreibt Kugler in seinem Buch „Ordensmann und Menschenfreund“ trotz aller Widrigkeiten als zupackend, bescheiden, humorvoll, allgegenwärtig, sich für keine Arbeit zu schade und immer mit einem offenen Ohr für seine Mitbrüder.

Bau des Regensburger Krankenhauses

Am 19. Juni 1925 wählte das Provinzkapitel Eustachius Kugler zum Provinzial. Er trug nun die Verantwortung für 18 Institutionen des Ordens in der bayerischen Provinz. 1929 eröffnete er das neue Regensburger Krankenhaus, bestehend aus einem Männer- und (ab 1930) aus einem Frauenbau mit insgesamt 450 Betten. Auch eine vom Orden der Barmherzigen Brüder betriebene Krankenpflegeschule wurde dem Musterkrankenhaus angegliedert. Das Bauvorhaben kostete damals 8,3 Millionen Reichsmark – eine gewaltige Summe, wenn man bedenkt, dass die Stadt Regensburg über einen Jahreshaushalt von 8,1 Millionen Reichsmark verfügte. Das Finanzierungsrisiko wurde durchaus auch in den eigenen Reihen kritisch beäugt, denn schließlich wurden alle Häuser des Ordens der Barmherzigen Brüder mit Hypotheken und Rückzahlungsverpflichtungen belastet. Doch Kugler erwiderte seinen Kritikern nur: „Das habe ich mit dem Herrgott schon abgemacht. Da fehlt nichts.“

Auch als Provinzial half er selbstverständlich im Krankenhaus mit: Er putzte Gemüse im Geräteschuppen des krankenhauseigenen Gemüsegartens, half beim Geschirrspülen und leerte die Urinflaschen der Kranken aus.

Kriegs- und NS-Zeit

Während der NS-Zeit diente Kugler seinen Brüdern als leuchtendes Vorbild: Als Hitler 1937 Regensburg besuchte und die Fratres sich neugierig am Fenster positionierten, um den Führer zu sehen, deutete er in Richtung des Tabernakels der Krankenhauskirche St. Pius und sagte: „Unser Führer ist dort drinnen.“ Er versuchte sich trotz Schikanen so gut es ging schützend vor den Orden der Barmherzigen Brüder und seine Einrichtungen zu stellen. 30 Mal wurde er von den Nazis stundenlang verhört, bevor er bei einem Verhör bewusstlos zusammenbrach.

Trotz schwerster Luftangriffe auf die Messerschmittwerke im Regensburger Western ging das Krankenhaus unbeschadet hervor. 1945 feierte Frater Eustachius schon schwer erkrankt sein 50. Professjubiläum. Am 10. Juni 1946 starb er an den Folgen seines Magenkrebses. Am 4. Oktober 2009 wurde er im Regensburger Dom selig gesprochen.