Hirntumorzentrum

Wissenwertes über Hirntumore

Fallbeispiel: die 34jährige Angelika W. hat erstmals einen epileptischen Anfall erlitten. Der Ehemann beschreibt, was er an seiner Frau am morgentlichen Kaffeetisch sitzend beobachtet: Es habe zunächst der rechte Arm angefangen zu zucken und dieser sei wenige Minuten später schlaff heruntergehangen. Seine Frau sei aber stets ansprechbar gewesen. In den Monaten vor diesem Vorfall sei ihm eine Wesensänderung und erhöhte Ermüdbarkeit aufgefallen. Manchmal verhalte seien Ehefrau sich ihren Kindern gegenüber merkwürdig, gebe teilweise unpassende Antworten. Sie habe ständig über Kopfschmerzen geklagt. In einer ersten Untersuchung seien dem Hausarzt eine leichte Kraftlosigkeit im rechten Arm und Bein sowie ein leicht hängender rechter Mundwinkel aufgefallen.

Die Kombination aus spezifischen neurologischen Ausfällen - nicht zuletzt dem epileptischen Anfall - und seit längerem bestehenden, wenig fassbaren Beschwerden haben bei Angelika W. zur Diagnose eines Glioblastoms geführt. Das Glioblastom gehört zu den häufigsten, bösartigen Tumoren des Hirngewebes.

Arten von Hirntumoren

Nach Untersuchung von Gewebeproben können histopathologisch über hundert Arten von Hirntumoren unterschieden werden. Tumore entstehen aus entarteten, gewuchterten Nervenzellen, können aus Hirn- oder Rückenmarksgewebe entstehen und werden daher primäre Tumore aus dem Zentralnervensystem genannt. Abzugrenzen sind hier wachsende, gestreute Zellstrukturen, die Tochtergeschwülste, sogenannte Metastasen, eines anderen Tumors darstellen und zum Beispiel von einem Lungenkrebs oder Brustkrebs aus entstanden sind. Sie werden daher auch sekundäre Tumore genannt.

Die Funktionen des zentralen Nervensystems können auch durch anderes Tumorwachstum  beeinträchtigt werden. Hier können zum Beispiel die Hirnhäute eine Wucherung ausbilden, die auf Hirngewebe drückt oder frei schwimmende Tumorzellen im, die Nervenstrukturen umfließenden, Nervenwasser vorhanden sein (Meningeosis carcinomatosa). Auch das periphere Nervensystem kann eine Nervenzellentartung zeigen und Tumore ausbilden. Prinzipiell kann jede Art von Nervengewebe entarten: seien es die Stützzellen, Drüsenzellen, Hirnnervenzellen, Hirnzellen selbst oder eine Anhäufung von weißen, entarteten Blutkörperchen, die man dann als Lymphom bezeichnet.

Je nach Ausgangsgewebe werden die Tumore unterschiedlich bezeichnet: zum Beispiel als Gliome, wenn sie von den Stützzellen ausgehen (zum Beispiel Glioblastome, Olidgodendrogliome). Oder als Meningeome, wenn die Hirnhautzellen entarten. Ob ein Tumor ein gutartiges oder ein bösartiges, das heißt schnelles und Nervengewebe schädigendes Verhalten zeigt, kann nur mit einer Gewebsentnahme sicher geklärt werden. Über die Hälfte der primären Tumore werden als gutartig klassifiziert.

Ursachen

Risikofaktoren wie bei der Gefäßverkalkung und dem dadurch bedingten Risiko einen Schlaganfall zu erleiden, sind bei Hirntumoren nicht bekannt. In einigen Fällen kann eine genetische Veranlagung vermutet werden oder liegt bereits eine Grunderkrankung vor, die ein Zellwachstum begünstigt. Dies trifft beispielsweise auf die seltene Erkrankung der Neurofibromatose zu. In wenigen Fällen ist bereits im Vorfeld eine Strahlentherapie erfolgt und im Behandlungsfeld liegendes Nervengewebe  hat hierdurch ein erhöhtes Entartungsrisiko entwickelt.

Es gibt keine gesicherten Hinweise, dass Einfluss von elektrischen Strömen, die Aufnahme von Schadstoffen oder die Benutzung elektronsicher Geräte wie dem Handy zu Tumorwachstum führt. Die Ursache, warum Zellen ein entartetes Wachstum beginnen, ist noch unbekannt. Bei der Diagnostik werden heutzutage immer mehr genetische Verfahren verwandt und Tumore können  genetisch immer näher typisiert werden, was  bereits bei der Planung der individuellen Therapie sehr weiterhilft.

Dieser Hirntumor (dunkel) im Kleinhirn besitzt eine Flüssigkeitsblase (hell), die zusätzlich auf das Hirngewebe drückt.
Dieser Hirntumor (dunkel) im Kleinhirn besitzt eine Flüssigkeitsblase (hell), die zusätzlich auf das Hirngewebe drückt.

Beschwerden

Die Beschwerden, die ein Hirntumor auslöst, sind vielfältig und unter anderem abhängig von Lage und der Ausdehnung des Tumors. Die Beschwerden treten nicht schlagartig auf, sondern schleichend und über Tage bis Wochen zunehmend. Einige Beschwerden können beispielsweise sein:

  • Unspezifische Beschwerden wie Kopfschmerzen, Übelkeit, Abgeschlagenheit
  • Neurologische Ausfallserscheinungen wie eine Halbseitenlähmung, Gefühlstörung, Sehstörung oder Koordinations- und Gleichgewichtsstörung
  • Neuropsychologische Ausfallserscheinungen und psychische Veränderungen
  • Epileptische Anfälle

Bei sehr fortgeschrittenem Wachstum kann es zu einem erhöhten Hirndruck kommen. Tumore wachsen verdrängend, durch die knöcherne Schädeldecke kann das Hirngewebe aber nur begrenzt ausweichen, so dass ein erhöhter Druck auf Gewebe, Nervenwasser und Gefäße besteht. Beschwerden, die auf erhöhten Hirndruck hindeuten, können sein:

  • Neu oder andersartige Kopfschmerzen
  • Übelkeit/ Erbrechen
  • Störung des Bewusstseins (bis zum Koma)

Bis auf eine Bewusstseinstrübung sind diese Zeichen oft nicht eindeutig und können auch bei einem einfachen Infekt auftreten. Bei Störung des Bewusstseins, klaren neurologischen Ausfällen oder nach einem epileptischen Anfall sollte allerdings unbedingt eine ärztliche Vorstellung und weitere Abklärung erfolgen.