Klinik für Neurologie

Schlaganfall

Time is brain

Fallbeispiel: Der 72jährige Herr Meier möchte sich bei seinem Stammtisch in die Diskussion der letzten Aufstellung des SSV Jahn Regensburg einmischen. Plötzlich sehen ihn seine Freunde verwundert an, denn anstatt eines Beitrags bringt Herr Meier nur Undeutliches hervor. Herr Meier wirkt ärgerlich und angestrengt und macht den Eindruck, als ob er wisse, was er über die Aufstellung sagen möchte, es aber partout nicht über die Lippen bekommt. Es kommt hinzu, dass er den rechten Arm nicht mehr bewegen kann. Der sinkt schlaff unter den Tisch und sein rechtes Bein kippt wie leblos zur Seite. Seine Stammtischkollegen reagieren blitzschnell, erkennen die Symptome eines Schlaganfalls und rufen per Handy den Notarzt.

Ursachen

Der kleinere Anteil an Schlaganfällen, nämlich ungefähr 15 Prozent, sind Hirnblutungen oder Subarachnoidalblutungen. 85 Prozent der Schlaganfälle lassen sich auf einen ischämischen Hirninfarkt zurückführen. Dies bedeutet, dass es zu einer Unterbrechung der Blutversorgung kommt. Entweder durch einen Gefäßverschluss durch Veränderungen der Arterienwand (Arteriosklerose oder selten Einriss der Gefäßwand, einer sogenannten Dissektion) oder durch ein Blutgerinnsel.

Dieses entsteht sehr oft bei einem Vorhofflimmern im Herzen und dem Blutstrom folgend ins Gehirn geschwemmt wird. Blutgerinnsel (Thromben) verschließen wie ein Pfropf Gefäße. Durch die Unterbrechung des Blutflusses erreichen die Gehirnzellen zu wenig Sauerstoff und Nährstoffe und es kommt zu ihrem Absterben. In manchen Fällen eröffnet sich das Gefäß wieder spontan, so dass Beschwerden durch den Schlaganfall sich nur vorübergehend zeigen und als transitorisch ischämische Attacke (TIA) bezeichnet werden. Definitionsgemäß müssen sich bei einer TIA die Beschwerden innerhalb von 24 Stunden wieder komplett zurückbilden. Diese Warnsymptome einer TIA sind aber sehr ernst zu nehmen und genauso konsequent wie ein bleibender Schlaganfall zu behandeln, da das Risiko eines folgenden Schlaganfalles, dessen Beschwerden dann nicht mehr rückgängig zu machen sind, deutlich erhöht ist.

Bleibt ein großes Gefäß verschlossen, kommt es zum Untergang des von ihm versorgten Hirngewebes  und es bildet sich ein sogenannter Territorialinfarkt aus.

Verschließt sich ein kleineres Gefäß, ein Gefäßendast, meist durch einen lokalen Prozess, entsteht ein mikroangiopathischer Infarkt. Sie sind nur wenige Millimeter groß und ihre Gefäßschädigung wird hauptsächlich durch einen länger bestehenden Bluthochdruck oder durch einen Diabetes mellitus verursacht. Meist führt nur die Summe von vielen mikroangiopathischen Infarkten zu klinischen Beschwerden. Oder aber der kleine Infarkt liegt strategisch so ungünstig, dass der Untergang sehr weniger, aber sehr relevanter Nervenzellen zu einem relativ großen klinischen Ausfall führt.

Die dritte Gruppe stellen die hämodynamischen Grenzzoneninfarkte dar. Hierbei wird Hirngewebe geschädigt, das von zwei angrenzenden Arterien versorgt wird, aber aufgrund von massiven Gefässprozessen und Blutdruckschwankungen, die ankommende Blut- und damit Sauerstoffversorgung nicht ausreicht.

Wir unterscheiden unter den Schlaganfällen die Hirninfarkte, die als umschriebene Mangeldurchblutung des Gehirns etwa 85-90 Prozent der Schlaganfälle ausmachen, von den Hirnblutungen, die sehr viel seltener sind, aber sicher von den Hirninfarkten unterschieden werden müssen, da deren Behandlung sich selbstverständlich grundlegend unterscheidet.

Warnsignale

  • Halbseitenlähmung (Hemiparese)
  • Halbseitige Gefühlsstörung (Hemihypästhesie)
  • Sprach-oder Verständnisstörung (Aphasie)
  • Einseitige Sehstörung (Amaurosis fugax)
  • Beidseitige Gesichtsfeldeinschränkung (Hemianopsie)
  • Gleichgewichtstörung und Schwindel
  • Bewusstlosigkeit
  • Hängender Mundwinkel (faciale Parese)

Risikofaktoren

  • Arterielle Hypertonie
  • Diabetes mellitus
  • Hypercholesterinämie
  •  Rauchen
  • Übergewicht
  • Alter/Geschlecht
  • Herzerkrankungen, vor allem Vorhofflimmern
  • Alkoholmissbrauch
  • Erbliche Belastung
  • Schlaf-Apnoe-Syndrom
  • Migräne

Diagnostik und Therapie

Ein Schlaganfall ist ein absoluter medizinischer Notfall. Zeit kann Hirnzellen retten, wenn innerhalb von wenigen Minuten bis Stunden ein Gefäßverschluss wieder eröffnet werden kann. Ein Viertel aller Schlaganfallpatienten verstirbt an der Erkrankung oder deren Folgeerkrankungen wie einer Lungenentzündung. 25 Prozent werden mit einer schweren Behinderung leben müssen, weitere 25 Prozent tragen leichte Ausfälle davon und 25 Prozent gesunden komplett von ihrem Schlaganfall. Aus diesen Zahlen wird klar, wie wichtig es ist, eine Gehirnzellen rettende Therapie so zügig wie nur möglich herbeizuführen.

Zunächst ist es wichtig den genauen Zeitpunkt, die Art des Auftretens von Beschwerden sowie bekannte Erkrankungen und Medikation, vor allem eine vorliegende Blutverdünnung, zu erfragen. Vor allem der zeitliche Aspekt ist wesentlich, da bestimmte Therapien nur in definierten Zeitfenstern angewendet werden dürfen. Sonst können Therapien, wie eine extrem blutverdünnende Lysetherapie, auch zu einer Verschlechterung durch eine Hirnblutung führen. Bei der Lysetherapie handelt sich um eine medikamentöse Therapie, die zur Auflösung von Blutgerinnseln angewendet wird.

Mit klinischen Tests werden die körperlichen Ausfälle abgeschätzt und auch für die Verlaufsbeurteilung notiert. Blutuntersuchungen werden auf den Weg gebracht, um andere Ursachen auszuschließen und Information über die Blutgerinnungsverhältnisse zu erhalten. Mit weiteren Methoden wie der radiologischen Gefäßdarstellung oder dem Ultraschall kann schon begonnen werden nach der direkten Ursache zu suchen. Ein Monitoring sichert die ständige Überwachung der Herz-Kreislaufwerte.

Mit einer Bildgebung (Computertomographie oder Kernspintomographie) können eine Hirnblutung oder bereits Infarktfrühzeichen erkannt werden. Ist noch kein Untergang von Gehirngewebe zu sehen, kann beispielsweise eine intravenöse Lysebehandlung frischer Schlaganfälle gemäß den Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Neurologie angewendet werden. In besonderen Fällen ist auch eine intraarterielle lokale Lysebehandlung oder eine mechanische Rekanalisation in Zusammenarbeit mit der Abteilung für Neuroradiologie möglich.

 

 

Infoflyer

  • Wie erkenne ich einen Schlaganfall?
  • Was tun?

Das und Informationen zu unserer Arbeit können Sie in unserem Informationsflyer nachlesen.

Flyer "Schlaganfall"
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