Klinik für Neurologie

Frühsommer-Meningoencephalitis (FSME)

Zeckenbiss mit Folgen

Fallbeispiel: Die 39jährige Hanna leidet seit zwei Tagen an heftigen Kopfschmerzen und fühlt sich sehr abgeschlagen - mit Fieber bis 40°C. Sie habe seither das Bett nicht mehr verlassen können. Sie ist sonst sehr sportlich. Auch der Nacken schmerze sehr und fühle sich extrem steif an. Vor zwei Wochen habe sie auf dem Donauradweg eine Fahrradtour unternommen und sich dabei einen Zeckenstich eingefangen. Einen Impfschutz gegen Zecken habe sie nicht.

Die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) ist eine Virusinfektion, die fast ausschließlich von infizierten Zecken, hauptsächlich durch den Gemeinen Holzbock (Ixodes ricinus), übertragen wird. Durch den Speichel der Zecken können die Viren an den Menschen weitergeben werden. Übertragungen von Mensch zu Mensch sind nicht möglich, so dass erkrankte Personen nicht isoliert werden müssen und Kontaktpersonen keiner besonderen Schutzmaßnahmen bedürfen.

Verbreitung

Zeckensaison ist von Anfang März bis Oktober. In diesen Monaten sind die Tiere besonders aktiv und daher die Gefahr von einer Zecke gebissen zu werden am höchsten. In Deutschland gibt es Risiko- und Hochrisikogebiete über die das Robert Koch-Institut informiert (www.rki.de). Eine FSME-Infektion ist in Deutschland meldepflichtig. Ein Risikogebiet ist so definiert, dass in einem Zeitraum von einem Jahr mindestens zwei oder innerhalb von fünf Jahren mindestens fünf FSME-Fälle auftreten. Die Oberpfalz gehört zu den Risikogebieten.

Bedingt durch die Lage Regensburgs im Endemiegebiet für FSME sowie die Nähe großer Waldgebiete ist die Diagnostik und Therapie von durch Zecken hervorgerufenen Erkrankungen, traditionell in unserer Klinik von großer Bedeutung.

Das FSME-Virus ist in Süddeutschland, Österreich, Schweiz, den baltischen Staaten, Skandinavien, Polen, Ungarn, Tschechien, Kroatien, Slowenien weit verbreitet. Hochrisikogebiete sind an der Donau um Wien, zwischen  Passau und Linz, um St.Pölten und in der Wachau. Jedes Jahr erkranken in Deutschland einige hundert Menschen.

FSME-Virus

Das FSME-Virus gehört zu den Flaviviren und ist somit verwandt mit den Erregern des Dengue- und Gelbfiebers, die in den Subtropen und Tropen vorkommen und dort von Stechmücken übertragen werden. Auch das sehr rasche Entfernen der Zecke verhindert meist die Infektion nicht: Die FSME-Viren sitzen in den Speicheldrüsen der Zecke und werden mit dem Zustechen sofort übertragen.

Beschwerden

Die überwiegende Mehrheit der FSME-Infektionen verläuft asymptomatisch, kommt es zu einer klinischen Erkrankung, so tritt diese in der Regel nach einer Inkubationszeit von ein bis zwei Wochen auf.

Erste Krankheitsphase

Etwa ein Drittel bekommt dann zuerst grippeähnliche Symptome wie Fieber (in der Regel nicht über 38°C), Kopf- und Gliederschmerzen. Auch Übelkeit, Erbrechen und Schwindel können auftreten. Bei der Mehrzahl der Patienten ist die Erkrankung nach dieser „Sommergrippe“ bereits ausgeheilt.

Zweite Krankheitsphase

Nach einer vorübergehenden Besserung tritt bei manchen Patienten ein bis drei Wochen später erneut Fieber auf, dann oft mit hohen Temperaturen um die 40°C. Kopfschmerz, Übelkeit, Schwindel, Lichtempfindlichkeit, Nackensteifigkeit sind Begleitbeschwerden. Es besteht ein schweres Krankheitsgefühl. Das zentrale Nervensystem kann befallen werden: Hirnhäute und Gehirn können sich entzünden (Meningoencephalitis). In manchen Fällen, besonders bei älteren Menschen, kann sich auch das Rückenmark entzünden. Durch die Nervenentzündungen können Lähmungen, lang andauernde Kopfschmerzen, Gedächtnis- und Konzentrationsschwierigkeiten, Bewusstseinsstörungen, bis hin zu Atemschwierigkeiten und Anfallsleiden auftreten.

Diagnostik

Die Blutuntersuchung liefert meistens allgemeine Hinweise auf eine Entzündung.

Eine Nervenwasseranalyse (Lumbalpunktion) sollte bei jedem fieberhaften Infekt mit Zeichen der meningealen Reizung (Nackensteifigkeit) erfolgen. Bei der FSME lässt sich in der Regel eine erhöhte Entzündungszellzahl (<500 Zellen/µl) feststellen.

Ist das zentrale Nervensystem betroffen oder bei unklarer Diagnose kann eine Bildgebung (Kernspintomographie) helfen, Veränderungen an Rückenmark oder Gehirn zu zeigen.

Therapie

Gegen die Frühsommer-Meningoencephalitis ist eine medikamentöse Therapie nicht möglich. Die Therapie einer FSME besteht aus Linderung der Beschwerden wie Fiebersenkung und Gabe von Schmerzmitteln. Bei Lähmungserscheinungen sollte eine frühzeitige, intensivierte und gezielte Ergo- und Physiotherapie erfolgen. Bei Gedächtnis- und Konzentrationsschwierigkeiten kann man mit einem Kognitionstraining weiterhelfen. In schweren Fällen, zum Beispiel bei Atemmuskellähmung, ist eine Behandlung auf der Intensivstation notwendig. Bei länger bestehenden Beschwerden ist ein Aufenthalt in einer Rehabilitationsklinik sinnvoll. Bei der Mehrzahl der Patienten heilt die Krankheit glücklicherweise vollständig wieder aus.

Prophylaxe

Bei Aufenthalt in einem Zeckengebiet sollte die richtige Kleidung getragen werden (lange Hosen und Hemden), Repellents können angewandt werden und die Haut muss gründlich nach dem Aufenthalt im Freien nach Zecken abgesucht werden. Nicht hilfreich ist es, Klebstoff, Nagellack oder ähnliches auf die Zecke zu geben. Damit erhöhen Sie lediglich die Wahrscheinlichkeit, dass die Zecke den Speichel und damit die Viren in die Wunde gibt. Die Ständige Impfkommission (STIKO) des Robert Koch-Instituts empfiehlt allen Reisenden in und Bewohnern von Risikogebieten diese Impfung. Die Kosten für die FSME-Impfung werden von den gesetzlichen Krankenkassen für Bewohner von Risikogebieten übernommen. Die meisten Krankenkassen bezahlen eine FSME-Impfung auch als Reiseimpfung.

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