Klinik für Onkologie und Hämatologie

MULTIPLES MYELOM (PLASMOZYTOM)

Chefarzt Prof. Dr. Jan Braess, Leiter der Klinik für Onkologie und Hämatologie und Leiter des Onkologischen Zentrums

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Prof. Dr. Jan Braess
Chefarzt der Klinik für Onkologie und Hämatologie, Leiter des Onkologischen Zentrums


Einen Termin für die Sprechstunde können Sie gerne über das Sekretariat unter der Tel. +49 (0)941 369 2151 vereinbaren.

Das Multiple Myelom/Plasmozytom ist eine Erkrankung des blutbildenden Systems, bei der Plasmazellen bösartig entarten. Diese Plasmazellen sind ein Teil des spezifischen Immunsystems. Dabei produziert jede Plasmazelle verschiedene Antikörper (Abwehreiweiße) und versetzt so das menschliche Abwehrsystem in die Lage, auf verschiedene Krankheitserreger individuell zu reagieren.

Beim Multiplen Myelom liegt eine krankhafte Veränderung dieser Plasmazellen vor. Die krankhaften Plasmazellen werden auch Myelomzellen genannt. Sie vermehren sich im Knochenmark (Raum innerhalb der  Knochen) und produzieren nicht funktionierende Antikörper, die im Blut gemessen werden und sich in verschiedenen Organen ablagern können. Die Myelomzellen können zudem die Knochen ausdünnen (Osteoporose) bzw. an manchen Stellen regelrecht auflösen (Osteolysen).

Was sind die Krankheitszeichen eines Multiplen Myeloms?

Die Krankheitszeichen entwickeln sich als typische Folgen der bösartigen Plasmazellvermehrung:

  1. Die Plasmazellen vermehren sich im Knochenmark und verdrängen dadurch die normale Blutproduktion
    • Blutarmut (Anämie) führt zu Kurzatmigkeit, Schwindel und/oder Herzrasen
    • Wenig Blutplättchen (Thrombopenie) führt zu Blutungsneigung
    • Wenig weiße Blutkörperchen (Leukopenie) führt zu Infektanfälligkeit
  2. Der Mangel an normalen Abwehreiweißen verstärkt die Infektanfälligkeit
  3. Osteoporose und/oder Osteolysen können Knochenschmerzen und sogar Knochenbrüche verursachen
  4. Hohe Calciumwerte aufgrund des Knochenabbaus und viele Paraproteine im Blut können Übelkeit und Erbrechen auslösen und zu Schäden von Niere, Darm und/oder Herz führen
  5. Allgemeinsymptome: Nachtschweiß, Temperaturerhöhung und/oder Gewichtsverlust

Wichtig: Ein Plasmozytom/Multiples Myelom kann über Jahre hinweg verlaufen, ohne dass sich Krankheitszeichen bemerkbar machen. Die oben beschriebenen Auswirkungen der Erkrankung treten oft erst nach längerer Zeit auf.

Wie wird ein Multiples Myelom erkannt? Welche Diagnostik ist nötig?

Ein Multiples Myelom ist in der Regel in einer Routine-Blutuntersuchung nicht sofort zu erkennen. Wichtig ist es deshalb, bei entsprechenden Krankheitszeichen, wie zum Beispiel Knochenschmerzen, Blutarmut oder Nierenschwäche, an die Erkrankung zu denken. Denn mit einem einfachen Suchtest lassen sich eindeutige Zeichen für die Erkrankung im Blut nachweisen.

Besteht aufgrund des positiven Suchtestes oder aufgrund anderer Befunde (zum Beispiel eine Röntgenuntersuchung) der Verdacht auf ein Multiples Myelom, dann sollten neben einer Erhebung der Krankengeschichte (Anamnese) und der körperlichen Untersuchung weitere spezifische Untersuchungen erfolgen:

  • Untersuchung von Blut und Urin auf die genaue Art und das Ausmaß der (kranken und gesunden) Abwehreiweiße, Blutsalze (zum Beispiel Kalzium), Nierenwerte, Leberwerte, Beta-2-Mikroglobulin und Albumin (aus den beiden Werten lässt sich ein gewisser Vorhersagewert für die Erkrankung errechnen) und nicht zuletzt die einzelnen Blutzellen (weiße, rote und Blutplättchen) mit der Differenzierung der weißen Blutkörperchen (Differential-Blutbild/großes Blutbild).
  • Computertomographie oder Kernspinuntersuchung des Knochenapparates, um Knochenveränderungen nachzuweisen oder auszuschließen.
  • Eine Knochenmarkpunktion (Entnahme von etwas Flüssigkeit und eines Knochenspanes aus dem Knochen unter örtlicher Betäubung, in der Regel am hinteren Beckenkamm), um das Ausmaß und den Reifegrad des Multiplen Myeloms im Knochenmark zu bestimmen. Zusätzlich sollten die Myelomzellen im Knochenmark auf genetische Veränderungen hin untersucht werden, die Hinweise auf den Verlauf der Erkrankung (Prognose) und das Ansprechen auf bestimmte Therapieformen geben können.
  • Überprüfung der Organfunktionen, zum Beispiel mittels EKG, Herzultraschall und Lungenfunktionsprüfung.

Aufgrund der Ergebnisse dieser Untersuchungen und Ihrer persönlichen Gesamtsituation geht hervor, ob noch gewartet werden kann oder die Erkrankung behandelt werden sollte.  

Wie erfolgt die Behandlung eines Multiplen Myeloms?

Droht durch das Plasmozytom/Multiple Myelom die Schädigung von Körperorganen oder ist bereits eine Schädigung eingetreten, so sollte eine Behandlung eingeleitet werden. Gemeinsam mit Ihren behandelnden Ärzten, die sich interdisziplinär in der Tumorkonferenz besprechen, können Sie dann entscheiden, welche Behandlung für Sie am geeignetsten ist. 

Da die Erkrankung zum einen den gesamten Körper betrifft, zum anderen Probleme in einzelnen Körperbereichen verursachen kann, ist auch die Behandlung in der Regel eine Kombination aus systemischer Therapie (z. B. Medikamente) und lokalen Maßnahmen (z. B. Bestrahlung einzelner Knochenherde bis hin zu einer stabilisierenden Operation).

Die systemische Therapie (Medikamente, die als Infusion, als Injektion unter die Haut oder als Tabletten verabreicht werden können) konnte über die letzten Jahre nachhaltig verbessert werden. Weiter- und neuentwickelte Medikamente und Therapieansätze können die Prognose und die Lebensqualität deutlich verbessern. Das Ziel der Behandlung ist es, die Erkrankung unter die Nachweisgrenze zurückzudrängen und möglichst langfristig in Schach zu halten. 

Einen wichtigen Beitrag dazu leisten auch unterstützende Maßnahmen wie Infektionsbekämpfung und -vorbeugung, Übertragung vom Blutzellprodukten und Knochenaufbaupräparate.

Wohin kann ich mich wenden?

Unsere Klinik ist spezialisiert auf die medikamentöse Tumortherapie und arbeitet interdisziplinär mit den für die Behandlung erforderlichen Fachdisziplinen eng zusammen. Die Behandlung von Menschen mit Multiplem Myleom ist ein spezifischer Schwerpunkt unserer Klinik und unseres Chefarztes Professor Jan Braess – gerne werden wir Ihnen – auch sehr kurzfristig – helfen!

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