Klinik für Pneumologie und konservative Intensivmedizin

Alpha-1-Antitrypsin-Mangel

Portrait von Oberarzt Dr. Marc Lepiorz, Internist, Pneumologie

Unser Spezialist für Alpha-1-Antitrypsin-Mangel

Dr. Marc Lepiorz
Internist, Pneumologe


Einen Termin für die Sprechstunde können Sie gerne über die Leitstelle 3 unter der Tel. +49 (0)941 369 2233 vereinbaren.

Was ist das?

Alpha-1-Antitrypsin ist ein Eiweiß, welches eine Schutzfunktion hat. Es verhindert, dass Lungengewebe im Rahmen entzündlicher Prozesse durch sogenannte Proteasen (z.B. Elastase, ein bei Entzündungen vermehrt vorkommendes Eiweiß) abgebaut wird. Wegen seiner Hemmwirkung auf solche gewebeabbauenden Proteasen wird Alpha-1-Antitrypsin auch Alpha-1-Protease-Inhibitor genannt. Alpha-1-Antitrypsin wird größtenteils in der Leber gebildet und kommt in praktisch allen Körpergeweben vor.

Alpha-1-Antitrypsin-Mangel ist eine erbliche Stoffwechselerkrankung. In Deutschland sind schätzungsweise 8.000 – 12.000 Menschen betroffen, wobei von einer relevanten Zahl nicht diagnostizierter Fälle auszugehen ist. Aufgrund eines Gendefektes wird ein fehlerhaftes Alpha-1-Antitrypsin gebildet, dessen Freisetzung aus den Leberzellen in das Blut gestört ist. Es resultiert ein Mangel an funktionstüchtigem Alpha-1-Antitrypsin im Blut und damit in den Geweben. Somit besteht ein Ungleichgewicht zwischen schützendem Alpha-1-Antitrypsin und gewebeschädigenden Proteasen, letztere überwiegen und die Folge ist ein kontinuierlicher Gewebeabbau.

Symptome

Die Lungenbläschen (sogenannte Alveolen) sind von diesem gewebezerstörenden Prozess besonders betroffen. Sie werden zerstört und verschmelzen zu größeren funktionsuntüchtigeren Bläschen. Dadurch verschlechtert sich der Gasaustausch (vor allem der Übertritt von Sauerstoff aus den Lungenbläschen in das Blut), für den die Lungenbläschen zuständig sind. Zusätzlich verlieren die Lungen wegen des unkontrollierten Gewebeabbaus an Elastizität, was zu einem Kollaps der Lungenbläschen während der Ausatmung führt. Dadurch kommt es zu einer Lungenüberblähung.

Es gibt unterschiedlich stark ausgeprägte Formen des Alpha-1-Antitrypsin-Mangels und milde Verläufe werden oft spät oder gar nicht entdeckt. Allerdings werden alle Formen erheblich verschlimmert, wenn zusätzliche, die Atemwege und Lungenbläschen schädigende Stoffe hinzukommen. Hier ist in erster Linie das Tabakrauchen zu nennen (Rauch führt zu einer verstärkten Entzündungsreaktion und inaktiviert Alpha-1-Antitrypsin).

Die Lungen werden bei einem Alpha-1-Antitrypsin-Mangel am stärksten betroffen. Es bildet sich ein Lungenemphysem aus und nicht selten auch eine chronisch obstruktive Bronchitis mit den für diese beiden Erkrankungen charakteristischen Beschwerdesymptomen. Allerdings können beim Alpha-1-Antitrypsin-Mangel die Symptome schon ab dem 30. Lebensjahr auftreten, also deutlich früher als bei vielen anderen chronischen Lungenkrankheiten.

Deutlich seltener als die Lungen erkrankt die Leber. Nach der Geburt kann vorübergehend eine Leberentzündung mit Gelbsucht auftreten, beides bessert sich von selbst. In sehr wenigen Fällen kann über eine chronische Leberentzündung eine Leberzirrhose entstehen. Ein sehr seltener Manifestationsort ist die Haut bzw. das Unterhautfettgewebe, wo sich schmerzhafte Knoten ausbilden können, medizinisch Pannikulitis genannt.

Diagnose

Es gibt Screening-Untersuchungen auf diese Krankheit. Bei einem positiven Befund – oder bei hochgradigem Verdacht auf das Vorliegen der Krankheit – kann durch eine genetische Untersuchung eine definitive Aussage gemacht werden.
Ein Screening wird empfohlen bei:

  • Lungenemphysem, vor allem im jungen Erwachsenenalter
  • chronischen Lungenerkrankungen wie chronisch obstruktiver Bronchitis, Bronchiektasen, untypischem Asthma bronchiale
  • Blutsverwandten von Personen mit bekanntem Alpha-1-Antitrypsin-Mangel
  • ungeklärter Leberzirrhose

Ansonsten entspricht die Diagnostik der einer COPD (chronisch obstruktiven Bronchitis, Lungenemphysem).

Behandlung

Nach gesicherter Diagnose muss geprüft werden, ob außer den allgemeinen Behandlungsmaßnahmen einer COPD – also eines Lungenemphysems bzw. einer chronisch obstruktiven Bronchitis – als spezifischer Therapieansatz eine Substitutionstherapie infrage kommt. In einem solchen Fall wird Alpha-1-Antitrypsin wöchentlich in Form einer Kurzinfusion verabreicht.

Weil bereits eingetretene Lungenschädigungen nicht wieder rückgängig gemacht werden können, ist eine frühe Diagnosestellung und Therapie wichtig. In der Forschung befinden sich gentherapeutische Ansätze.

Die Diagnostik und Therapie sollte in darauf spezialisierte Einrichtungen, sogenannten Alpha-1-Center erfolgen. Dort ist auch die nötige Qualifikation zur fachgebundenen genetischen Beratung vorhanden.

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